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NMRA DCC oder MM Decoder für Modellbauservos
B
ei Conrad gibt es zur Zeit ein Angebot für Modellbauservos mit einem sensationell günstigen Preis von 4,95€. Es wäre naheliegend, diese Servos für das vorbildgerechte langsame Stellen von Weichen und Signalen auf der Modellbahn zu verwenden, wäre die Ansteuerung genauso einfach und preiswert, wie die Ansteuerung mit den üblichen Decodern für Magnetspulen oder motorische Weichenantriebe. Es fehlt eine Servosteuerung, welche die digitalen DCC oder Märklin-Motorola Gleissignale in Positionierbefehle für einen Servo umsetzen kann. Der preisgünstige Conrad Servo verfügt über Kunststoffzahnräder und ist kein ausgesprochener Flüsterantrieb. Wer aber mal neben einer Vollbahnweiche gestanden hat, als diese umgelegt wurde, weiß, dass beim Vorbild die Weichen auch nicht gerade leise sind.
Prinzip der Servosteuerung
D
as Steuerungsprinzip ist bei allen Servos für Modellbauzwecke
gleich. Alle 20 ms wird ein Impuls ausgegeben, dessen Länge (Dauer) die Position des
Stellarms oder des Stellrades definiert. Normalerweise werden Modellbauservos
funkferngesteuert. Der Funk-Empfänger verfügt über bis zu 8 Kanäle für 8 Servos. Um
im 20 ms Rhythmus 8 Servos bedienen zu können, stehen also pro Servo 20 / 8 = 2,5
ms zur Verfügung. Die Impulslänge kann demnach maximal 2,5 ms betragen. Das ist
aber Theorie und in der Praxis erreichen die Servos bei Impulszeiten von 2 - 2,3 ms
ihre linke Endlagen (gegen Uhrzeigersinn). Damit die Elektronik im Servo überhaupt
den Impuls erkennt, ist eine Mindestimpulslänge von ca. 1 ms erforderlich. Auch hier
gibt es wieder Abweichungen und erreichen die Servos ihre rechte Endlage in einem
Bereich von 0,7 bis 1ms. Somit wird der gesamte Stellbereich des Servos (ca. 180°)
mit Impulslängen von ca. 0,7 bis 2,3 ms definiert. Die Mittellage des Servo-Arms
wird bei einer Impulsdauer von ca. 1,3 bis 1,6 ms erreicht. Innerhalb der Zeitspanne
von 0,7 bis 2,3 ms kann der Arm an jede beliebige Position gebracht werden. Die
erreichbare Stellgenauigkeit wird von der Auflösung des Impulses, der Qualität der
internen Servoelektronik und vor allem der Mechanik bestimmt.

Die Stellimpulse für den Modellbauservo
Das Servo
I
m Inneren des Servos agiert ein kleiner 5V= Gleichstrommotor,
der über ein hochuntersetztes Getriebe den Stellarm zwischen beiden mechanischen
Anschlägen bewegt. Mit dem Stellarm ist ein Drehpotentiometer gekoppelt, das die
aktuelle Position an die Servo-Elektronik zurückmeldet. Der Motor wird so lang
angesteuert, bis die Lage des Potentiometers und damit die Lage des Stellarms der
Impulslänge entspricht. Hat der Servo seine Position erreicht, steht der Motor und
geht die Stromabnahme zurück. Wird der Arm durch eine externe Kraft aus seiner
Position gebracht, versucht der Motor den Arm wieder auf die alte Position zu bringen.
Aufgrund der großen Getriebeuntersetzung können die dabei auftretenden Kräfte
beachtlich werden.

Prototyp des Servodecoders und Conrad Servo bedienen ein Viessmann Rangiersignal
Funktion des Servodecoders
D
er Servodecoder versorgt das Servo mit 5V Gleichspannung,
die über einen Längsregler aus der digitalen Gleisspannung gewonnen wird. Die
minimale Stellzeit eines Servos beträgt ca. 0,4 bis ca. 1s für einen Stellbereich
von ca. 180°. Um aber die für die Vorgänge auf der Modellbahn erforderlichen
langsamen Bewegungen zu erreichen, müssen stetig veränderliche Positionen vorgegeben
werden. Das Servo nimmt so alle 20 ms eine neue Position ein und täuscht damit
eine langsame stetige Bewegung vor. Die minimale "stetige" Geschwindigkeit, die man
so erreichen kann liegt daher bei einem Inkrement pro 20 ms. Da der vorliegende
Decoder den Gesamtweg von 180° intern in ca. 15.000 Inkremente auflöst (ab V3.0 auf 1500 reduziert), ist
eine Stellzeit von 15.000 * 20 ms = 300 s (5 Minuten) realisierbar (ab V3.0 auf 30 s reduziert). Der Einfluss
der Versorgungsspannung auf die Stellzeit wird durch dieses Prinzip aufgehoben.

Prototyp des Servodecoders mit Conrad Servo als Signalantrieb unter der Anlagenplatte
Hardware der Servodecoder
D
ie Baumuster der Servodecoder wurden in gemischter Bauweise
in SMD Technik auf einer einseitigen Platine aufgebaut und messen ca. 35 x 39 x 20mm
(B x H x T). Auf der Oberseite der Platine befinden sich sämtliche Anschlüsse und
der Spannungsregler mit seinem Kühlkörper. Der Decoder wird komplett aus der
Gleisspannung versorgt. Für meine Tillig Weichen auf der Modulbahn habe ich eine etwas
größere Variante gebaut, die entsprechend der Weichenlage, das Herzstück der Weiche
mit umpolt. Auf der Abbildung unten ist dieser Decoder rechts abgebildet. Er misst
43 x 45 x 20 mm. Mittlerweile ist die gesamte Modulanlage auf Servo umgerüstet.
Die meisten Viessmann Signale (Conrad-Bausätze)sind mit einem Servodecoder und
einem Servoantrieb ausgestattet. Eine sehr zuverlässige Lösung!

Der Standard Servodecoder und eine Variante mit Relais zur Herzstückumschaltung.
Oben das Conrad Servo.
Eigenschaften SerDecD-TN DCC
- Unterstützt NMRA Basic Accessory Decoder DCC Formate (Broadcast/Output/Operations Mode Programming)
- Einsatz für Weichen, Formsignale, Entkuppler, Schuppentore, Bahnschranken, usw.
- Stellzeit über CV einstellbar bis ca. 300s bzw. 30 s ab der Version 3.0.
- Adressierung der Weichen, nicht des Decoders. 1 Adresse pro Servo spart Zubehöradressen
- Einfache Adressierung mit einem externen Taster
- Endlage links und Endlage rechts über CV einstellbar.
- Endlagen auch über externe Tasten einstellbar
- Einstellbarer Vorschub für die manuelle Justage der Endlagen.
- Hauptgleisprogrammierung wird unterstützt
- Lesen und Schreiben Byteweise und Bitweise aller CVs am Programmiergleis
- Speicherung der letzten Position bei Spannungsausfall
- Optionale Erhaltung des Servoimpulses zum Halten der erreichten Sollposition auch unter Belastung
- Konfigurierbarer Nachlauf zum Ausregeln
Eigenschaften SerDecM-TN V1.2 MM
- Unterstützt das "Marklin-Motorola" Gleisformat für bis zu 319 Weichen (Zubehöradressen)
- Einsatz für Weichen, Formsignale, Entkuppler, Schuppentore, Bahnschranken, usw.
- Stellzeit über externe Tasten einstellbar bis ca. 300s
- Adressierung der Weichen, nicht des Decoders. 1 Weichenadresse pro Servo spart Zubehöradressen
- Einfache Adressierung mit einem externen Taster
- Endlage links und Endlage rechts über externe Tasten einstellbar
- Speicherung der letzten Position bei Spannungsausfall
- Rücksetzen auf Werkseinstellung über Adresse 320
Hardware beider Modelle
- Preisgünstiges Modul
- 500 mA max. Ausgangsstrom für den Modellbauservo
- Leistungsfähiger ATMEL AVR Mikroprozessor
- Variante mit Relais (für z.B. die Umschaltung der Weichenherzstückpolarität) ist lieferbar
- Optionales externes Bedien-/Programmiergerät auf Anfrage

Der Prototyp Servodecoder mit Handbedienung bzw. Programmiergerät
Seriengeräte
E
igentlich wurde dieser Decoder für meine private modulare
Modellbahn entwickelt. Das Ursprungskonzept sah 4 Servos auf einer Platine vor.
Schon schnell gab es kommerzielles Interesse an diesem Decoder und wurde er auf
einen einzelnen Kanal abgespeckt. Die Relais zur Polarisierung des Weichenherzstücks
machten den Decoder "zu groß und zu teuer" und wurden ebenfalls aus der Hardware
entfernt. In der Software ist der Code für die Relais jedoch noch enthalten. Da der Decoder nicht vermarktet wird, sind programmierte Prozessoren und Platinen auf Anfrage beim Author erhältlich. Mehr Information dazu gibt es auch auf
MoBaTron.de.

Die aktuelle Hardware der Modelle
SerDecRD-TN und
SerDecD-TN
Die Downloads der Betriebsanleitungen finden Sie auf
MoBaTron.de.
Einen ausführlichen Erfahrungsbericht gab es
bei SpurNull.de
© 2004 - 2009 Gerard Clemens letzter Update 28.11.2009
