seine Runden. In den meisten Häuschen brannte Licht und auch die selbstgemachten Laternen und Lichtsignale trugen zur Beleuchtung der Modellbahn bei. Ich legte mich abends auf mein Bett an der anderen Wand des Zimmers und schaute zu, wie bis zu 3 beleuchtete Züge und der Trolley über die Platte rasten. Die Eisenbahn war ganz mit Oberleitung ausgestattet und meine elektrischen Lokomotiven, eine NS 1200 und eine deutsche E10 funkten manchmal an der Oberleitung, was in der Dunkelheit kleine Blitze gab. Der automatische Blockbetrieb mit den selbstgebauten bi-stabilen Relais verhinderte ein Zusammenstoßen der Züge und der bunte Lichtwechsel der gekoppelten Lichtsignale verlieh dem Ganzen einen sehr lebendigen Eindruck. Eine Geruchsmischung aus warmen Motoren und elektrischen Funken verbreitete sich in meiner Dachstube.

Aus Sperrholz, Weißblech, Hartpapier und einer Fleischmann Doppelspule nach einem Trix-Express Vorbild zusammengenageltes bi-stabiles Relais

Die Fleischmann Loks aus den 60er Jahren, nach 40 Jahren noch betriebsfähig!
ein Werk,
das lange Zeit im Wohnzimmer auf dem Schrank als Ausstellungsstück zu bewundern war, bis es eines Tages verschwunden war. Von da an wurden alle selbstgebauten Gebäudemodelle auf der Eisenbahnplatte festgeklebt. Um schneller schönere (?) Modelle bauen zu können, besorgte ich mir von Faller einen Riesenbeutel mit den unterschiedlichsten Fenster und Türen aus Polystyrol. Modelle aus dem Faller Katalog, die mir gefielen wurden einfach nachgebaut.
Blechdosen (wegen des Weißbleches), Pappe, Fliesenreste aus Polyvinyl, Krageneinlagen aus
durchsichtigem Kunststoff, Gussbäume von Bausätzen, Farbreste, Lämpchen und Schalter, Spulen,
Kupferlackdraht, Klingeldraht, Lüsterklemmen, Schrauben und Muttern, usw. Was sonst noch fehlte,
kam aus der Werkstatt meines Vaters. Da war an erster Stelle das Werkzeug, aber auch
Verbrauchsmaterial wie Lötzinn und Lötfett, Plastikkleber, Verdünnung, Waschbenzin, Bohrer, usw.
Für andere Utensilien und Materialen musste der Haushalt meiner Mutter herhalten. Ich denke dabei
vor allem an die ganzen Haushaltsscheren und Messer, die ich zum Bearbeiten von Blech und anderen
Materialen missbraucht habe, oder die Mengen Spiritus, die zum Reinigen der Schienen immer wieder
abgezweigt wurden. Vielfach standen die Werkzeuge, die ich einsetzte, überhaupt nicht im Verhältnis
zu den Abmessungen der von mir gebauten Geräte oder Modelle. Heute würde es mir nicht einfallen,
mit 3 mm Lötdraht und Lötfett und einem überdimensionierten Lötkolben ein Signal zusammenzulöten
aber damals hatte ich nichts Besseres oder ich hätte es selber finanzieren müssen.
Aus heutiger Sicht war die Anlage von damals natürlich primitiv. Für mich aber war sie das Optimum, was bei dem schmalen Budget zu erreichen war. Vor allem war es auch eine Spielanlage, bei der das Rangieren der Selbstentladewagen auf der Fleischmann Entladevorrichtung eine der Hauptattraktionen war. Das Ladegut waren kleine Samenkörner, die sich auf der ganzen Anlage wiederfanden. Ein Märklin-Kran mit Greifer und Elektromagnet rundete als weiteres Funktionsmodell den Rangierbahnhof ab. Mit Ihr wurden die Samenkörner wieder in die Selbstentladewagen geladen. Ein großer moderner Vollmer Lokschuppen mit automatischen Türen und Oberleitung beherbergte die Lokomotiven der verschiedenen Bahnverwaltungen. Als das Nebenzimmer frei wurde konnte die Eisenbahnplatte durch die Wand hindurch ins dieses Zimmer verlängert werden. Als Gleismaterial kam das alte Trix-Express Material noch mal zu Ehren. Erst während des Studiums, als ich Zuhause auszog, wurde die schon arg verstaubte Bahn abgerissen, in Kartons verstaut und eine Zeit lang vergessen.
© 1997 - 2007 Gerard Clemens letzter Update 22.09.2007